• Ann-Kathrin

Der Beagle

The Rojal !


auch die Queen hat ein Faible für Beagle


Oft höre ich, wenn ich mit Zoe unterwegs bin, „ich will auch einen Beagle“.


Halt stopp !!!


Ich kann wirklich JEDEN verstehen, der von dem Blick eines Beagles gefesselt ist. Die langen Schlappohren gepaart mit den Kulleraugen. Ja, zum dahin schmelzen.


ABER, egal ob Beagle oder eine andere Rasse, setzt euch mit ihren Eigenschaften und ihrem Charakter auseinander. Was macht den Beagle aus, was ist seine Aufgabe, seine Leidenschaft. Passt das zu dir oder kannst du dem Beagle vielleicht gar nicht gerecht werden ? Das alles gilt natürlich auch für jede andere Rasse aber hier in diesem Beitrag geht’s um den B E A G L E ❤️


Ich möchte ehrlich zu euch sein und schreibe hier aus tiefen Herzen, weil ich für die Rasse Beagle sensibilisieren möchte. Ich möchte, dass eure Beagle zufrieden, ausgelastet und vollkommen glücklich sind, wenn ihr euch für die Rasse entschieden habt. Ich bin eben ein Beaglenerd.


Doch bevor ihr euch entscheidet, solltet ihr wissen wie diese kleinen Wesen ticken, was sie ausmachen und wofür sie brennen, denn das wird entscheidend für euer Miteinander sein !


Der Beagle ist ein zuverlässiger Jagdhund. Das ist bekannt. Aber Jagdhund ist eben nicht gleich Jagdhund ! Der Beagle wird als Lauf-, Schweiß- und Meutehund angesehen. Dies resultiert aus der Kreuzung ‘Northern Hounds‘ (ausdauernd & bewegungsfreudig) und ‘Southern Hounds‘ (ausgeprägter Geruchssinn & starken Jagttrieb).

Seine Aufgabe besteht darin, das Wild aufzuspüren, zu verfolgen und zu erschöpfen. Durch klar hörbare Spur-/ Fährtenlaute informiert er den Jäger über dessen Position und hilft ihm schließlich das Wild zu erlegen. Die Fährte von verwundeten Tieren aufzunehmen und zielstrebig zu verfolgen, macht einem Beagle ebenfalls große Freude. Die Spurlaute können dir aber auch eine sehr große Hilfe sein, falls dein Beagle sich mal selbständig gemacht und dich stehen gelassen hat ;)

Ein Beagle ist überaus intelligent ! Und zusammen mit seiner Zielstrebigkeit, erfordert es in der Erziehung Nerven aus Stahl ! Viele sagen deshalb „der Beagle ist stur!“ Mir klingt das zu negativ, deswegen finde ich passt dies viel besser „der Beagle weiß was er will!“

Deine Aufgabe ist es ihn zu motivieren das zu tun, was du möchtest ! Und ich kann dir die Illusion direkt nehmen einen Beagle „Jagdfrei“ zu bekommen ! Denn es ist seine Aufgabe und seine Leidenschaft !!!

Als Meutehund braucht der Beagle Gesellschaft, durch dich oder andere Hunde (im besten Fall Beagle). Aus diesem Grund kann der Beagle NICHT über einen längeren Zeitraum alleine bleiben. Ich betone an dieser Stelle immer gerne, dass Hunde leise leiden können. Ist dein Hund ruhig alleine zu Hause, heißt es nicht automatisch, dass er nicht leidet. Aggressives Verhalten sucht man beim Beagle vergebens. Das macht ihn in der Bevölkerung zu einem beliebten Familienhund. Ich stehe sehr gespalten zu dieser Meinung! Warum, dazu komme ich später.



Wir wissen jetzt also wofür der Beagle gezüchtet wurde, in welchen Bereichen er eingesetzt wird und was seine prägnantesten Charaktereigenschaften sind. Aber wie es im Alltag aussieht und wie dein Beagle im Alltag zu einem glücklichen und ausgeglichenen Hund wird, dafür gibt’s keine Anleitung.


Auch ich kann euch keine Anleitung an die Hand geben, aber ich möchte euch von Zoe & mir erzählen…


Wenn man uns draußen beim spazieren beobachtet, sieht man eine kleine zarte Beaglehündin, die überwiegend frei, ohne Leine, läuft, die Blickkontakt hält und zu 98% auf mich hört. Ein Beagle der fleißig ist und die immer gefallen möchte. Die nicht zu jedem hin rennt, bettelt oder anspringt.


Was ihr aber nicht seht, ist die Zeit, die Energie und den Fleiß den ich in Zoe investiert habe, damit das genauso ist, wie ihr es beobachten könnt. Ihr seht auch nicht die vielen Tränen die ich vergossen habe, die Verzweiflung als nichts funktioniert hat was ich versucht habe und auch nicht wie oft ich die Tränen weggewischt und meine Strategie geändert habe, damit ich mein Ziel erreiche.


Das oberste Ziel ist für mich, dass Zoe frei laufen kann. Und das wünsche ich mir für alle Beagle. Das muss Zoe auch nicht immer und überall, auch Zoe läuft an gewissen Orten an der Schleppleine oder zieht sie zur Sicherheit hinter sich her. Aber, ich bin der Überzeugung, dass es dem Beagle eine gewisse Lebensqualität gibt, sich frei bewegen zu können, an stellen zu schnüffeln, an die wir Zweibeiner vielleicht nicht so gut hinkommen, mit anderen Hunden zu spielen und zu rennen, anstatt nur daneben zu stehen und dabei zuzugucken wie es die anderen tun. Bis dahin ist es aber ein langer Weg. Und mit lang meine ich Jahre ! Wie der Beagle solltest auch du zielstrebig, ausdauernd und ehrgeizig sein. Aufgeben ist keine Option ;)


Wenn ich also nicht möchte, dass Zoe unkontrolliert jagen geht, muss ich ihr Alternativen anbieten, die an ihrer eigentlichen Aufgabe am nächsten kommen, denn das ist schließlich wofür sie brennt. Wenn du Schokolade haben willst, aber Gummibärchen bekommst, dürfte sich die Freude in Grenzen halten. Wenn du aber Milka Schokolade haben wolltest aber Kinderschokolade bekommst, ist das doch ein Kompromiss mit dem du arbeiten kannst oder? So ähnlich ist es beim Beagle und seiner Leidenschaft auch.

Die Meinungen gehen hier stark auseinander aber ich bin auch der Meinung, und so habe ich es auch gemacht, wenn es im Ernstfall funktionieren soll, muss ich es auch im ‘Ernstfall‘ trainieren. Natürlich kontrolliert an der Schleppleine. Im Klartext heißt das, wenn Zoe eine Fährte hatte, bin ich eben NICHT in eine andere Richtung gegangen, sondern habe sie die Fährte weiter aufnehmen lassen! Ich hatte sie an der Schleppleine, also konnte auch nichts passieren. In dieser Situation habe ich den Rückruf intensiviert. Bedeutet, dass der Rückruf ohne Ablenkung klappen muss. Hat sie auf mich reagiert wenn ich sie gerufen habe, habe ich sie überschwänglich gelobt. Mit der Stimme und mit Leckerchen. Das habe ich immer und immer wieder wiederholt.


Alternativen die ich ihr statt des Jagens anbiete sind unterschiedlich und richten sich immer danach worauf sie gerade Lust hat. Denn du musst zu jeder Zeit interessanter sein als die Option jagen zu gehen. Es soll sich lohnen bei dir zu bleiben und gleichzeitig Spaß machen! Der Beagle braucht Abenteuer MIT dir ! Das kann ein Ball sein, dem sie hinterher jagend darf, das kann aber auch ein Dummy und ja, auch ein Echtfelldummy sein, den sie jagen, suchen und apportieren darf. Suchspiele und Fährtenarbeit kommen beim Beagle immer gut an. Hier kann er seine ausgesprochen feine Nase unter Beweis stellen. Die Möglichkeiten hierbei sind so vielfältig, dass euch nie langweilig wird. Ihr könnt ein Leckerchen oder den Dummy im Laub, im hohen Gras oder auf Baumstämmen verstecken, die Fährte auf unterschiedlichem Untergrund im Wald legen oder oder oder. Euch sind hier keine Grenzen gesetzt. Seit kreativ ;)


Wenn du den Anspruch hast, dass dein Beagle frei laufen kann, gibt es keine Spaziergänge bei denen du nach einem anstrengenden Arbeitstag den Kopf ausschalten und durch den Wald schlendern kannst. Es gibt selbstverständlich Tage, an denen man weniger macht. Entweder, weil man selber mal fix und fertig ist oder aber, weil dein Beagle auch einfach mal weniger machen möchte. Das er aber nichts machen möchte, wirst du beim Beagle nicht erleben. Es gibt auch Tage an denen Zoe überwiegend schnüffelt und stöbert, dass bedeutet aber nicht, dass ich nicht aufmerksam und nicht alles vor ihr sehen muss, um rechtzeitig reagieren zu können.


Es müssen auch nicht immer Fährten sein die du legst, es können auch gerne ein paar Tricks oder Übungen sein, bei dem der Beagle sein Köpfchen anstrengen muss. Das können Tricks sein die absolut gar keinen Sinn machen aber deinem Beagle große Freude bereiten, einfach weil er etwas lernen darf. „Touch“, „winken“, „leg ab“, „gib five“, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Zoe liebt aber vor allem Gehorsamkeitsübungen, Blickkontakt & Impulskontrolle, alles wo sie sehr stark auf sich selbst und mich achten muss.


Zu Hause ist Zoe dann zufrieden und genießt die Zeit der Ruhe. Kuscheln kann der Beagle mindestens genauso gut wie jagen. Maximale Körpernähe findet Zoe besonders toll. Gar nicht toll findet sie es aber, wenn sie alleine sein soll. Deswegen ist auch immer einer für sie da der aufpasst. Weiter oben habe ich es bereits erwähnt. Um dich an dieser Stelle vielleicht ein bisschen zu beruhigen, kenne ich auch Beaglehalter, dessen Beagle allein zu Hause bleiben. Ob sie es wirklich nicht so schlimm finden kann ich allerdings nicht beurteilen. Denn: Hunde leiden auch leise.


Wer sich den Text bis hierher durchgelesen hat, der kann sich vielleicht schon denken, warum ich den Beagle nicht unbedingt als Familienhund sehe.

Ich denke es ist jetzt mehr als deutlich geworden, dass ein Beagle eine Lebensaufgabe ist , wenn man den Anspruch hat, einen vollkommen glücklichen und ausgeglichenen Beagle zu haben, der frei ohne Leine laufen kann, dass es viel Zeit in Anspruch nimmt und viele Nerven rauben kann.

Wenn ihr also zu Hause kleine Kinder habt, denen ihr noch den ganzen Tag hinterher rennen müsst, damit kein Blödsinn angestellt wird, frage dich, ob du wirklich die Zeit und Energie hast einem Beagle die Alternativen zu bieten, die er braucht um glücklich und ausgeglichen zu sein. Es ist keine Schande sich einzugestehen, dass das doch alles ganz schön viel werden kann. Ganz im Gegenteil, es wäre ehrlich !

Wenn ihr Kinder habt, die selber schon Aufgaben übernehmen können, die dem Beagle Tricks beibringen oder das von dir trainierte anwenden, der Beagle trotz alledem voll auf seine Kosten kommt und nicht einfach so nebenher lebt, super ! Dann kann ein Beagle ein toller Familienbegleiter sein.


Jetzt sagst du dir vielleicht, aber bei xy funktioniert das doch auch und sie muss nicht so viel machen ? Dann schau das nächste mal genau hin. Vielleicht hast du recht, Ausnahmen bestätigen die Regel, vielleicht aber läuft ihr Beagle doch nur an der Leine und vielleicht gibt es doch nicht so viel Beschäftigung und Abwechslung wie es im ersten Moment aussah?


Ich finde, dass der Beagle es verdient hat glücklich zu sein, genau wie du auch. Und es ist möglich, dass ihr gemeinsam ein Unschlagbares Team werdet. Es erfordert eben nur Zeit und Hingabe. Ich möchte niemandem den Beagle ‘ausreden‘ versteht mich nicht falsch. Aber ich möchte das du genau weißt was auf dich zukommen kann. Das muss nicht genauso sein wie bei Zoe, vielleicht hast du es etwas einfacher, vielleicht aber auch etwas schwerer. Nicht umsonst werden gewisse Jagdhunderassen nur an Jäger oder an Leute mit Jagtverständnis abgegeben. Genau deswegen, weil sie eine Aufgabe haben, denen sie auch bis heute nachgehen können & sollen. Denn dafür sind sie schließlich gezüchtet worden ! Sie sollen die Möglichkeit bekommen, ihrer Leidenschaft und ihrer Aufgabe nach zu gehen. Warum der Beagle bis heute nicht darunter zählt, bleibt mir ein Rätsel.


Dennoch heißt es eben nicht, „ wenn ein Jagdhund nicht jagdlich geführt wird, kann er nicht glücklich sein“ Zum Glück ! Aber er braucht Alternativen, um seiner Aufgabe doch irgendwie nachgehen zu können. Und das kann wirklich jeder von uns. Du musst es nur von Herzen wollen und dich darauf einlassen.


Wenn du am Ball bleibst und dich nicht unterkriegen lässt, wirst du für euch euren eigenen Weg finden und deinen Beagle zu einem stolzen, selbstbewussten und vollkommen glücklichen Hund machen.



Fakten Check:

* Lauf-, Schweiß- & Meutehunde

* Fehlende Wildschärfe. Der Beagle hält immer einen respektvollen Abstand zum Wild !

* Braucht Bewegung & Beschäftigung für den Kopf

* Wickelt jeden um seine Pfoten

* Intelligent

* Zielstrebig

* Ausdauernd

* Nie aggressiv

* Arbeitsbereit - der Beagle möchte lernen

* Kann nicht über einen längeren Zeitraum alleine sein. Er braucht Gesellschaft

* Nur bedingt ein toller Familienhund




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